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Startseite › Google Wave – Eine Einschätzung der Potenziale des Mediums

Fazit

Pascal — Mi, 23/09/2009 - 15:51

Die Betrachtung von Google Wave vor dem Hintergrund der Media Synchronicity Theory lässt folgern, dass das Potenzial des neuen Mediums sehr hoch ist. Es wurde festgestellt, dass die von Dennis u.a. (1999, 2008) definierten Charakteristika des Mediums sich bei Google Wave in losen Grenzen bewegen und eher von der Frage abhängen, wie der Benutzer das Medium verwenden möchte. Die Geschwindigkeit des Feedbacks kann beispielsweise niedrig bis hoch sein, auch das Maß der Parallelität gestaltet sich flexibel. Symbolvarietät, Wiederverwendbarkeit und Überarbeitbarkeit sind als hoch einzustufen. Das Anwendungsbeispiel bestätigt den in der theoretischen Betrachtung gewonnenen Eindruck. Auch wenn es laut MST kein Medium geben kann, das in jeder Situation das geeignetste Medium ist, so ist es doch möglich, dass sich mit Google Wave ein Medium finden wird, welches einen weit größeres Einsatzspektrum bietet, als bisherige Medien. Auch wenn sich über die MST Potenziale eines Medium einschätzen lassen, so kann sie dennoch keine Aussage bezüglich der Akzeptanz des Mediums bei den Stakeholdern treffen. Hier wären weitere Faktoren zu untersuchen; etwa Aspekte der Sicherheit, Benutzerfreundlichkeit, Gewohnheiten der Benutzer an ältere Medien und Umstiegshürden, sowie die Frage der kritischen Masse.

Aufgrund seiner OpenSource-Natur ist Google Wave kostengünstig einzusetzen und ausgezeichnet anzupassen. Wie von Dennis u.a. (1998) angeraten, könnten Tools integriert werden, welche Conveyance- und Convergance-Prozesse hocheffizient unterstützen. Intelligente Agenten könnten die Entscheidungsfindung der Gruppe überwachen und das Medium (Wave) entsprechend der aktuellen Kommunikations-Situation formen.1 Darin könnten sich Wege aufzeigen, Kollaboration effizienter zu gestalten.

Unternehmen könnten von Google Wave auf vielfältige Weise profitieren. Zum einen können Sie Teilnehmerschaft an Waves auch verkaufen und damit einen zusätzlichen Einnahmekanal schaffen, zum anderen können sie die Infrastruktur nutzen, um Robots in Kommunikationen zu platzieren. Diese Robots könnten Produkte bewerben, indem sie beispielsweise Schlagworte zu einem Link auf den eigenen Shop umformen. Sie könnten aber auch rein passiv agieren, um Werte und Interessen der Stakeholder zu identifizieren und damit Stakeholderbewusstes Unternehmenshandeln über den Zugang des Kommunikationsmanagement als Unternehmensaufgabe zu fördern.2

Google Wave hat meiner Meinung nach aufgrund seiner Flexibilität bei gleichzeitig gegebener Anwenderfreundlichkeit durchaus das Potenzial, einige bisher verwendete Medien (im Rahmen der Kollaboration) auf lange Sicht zu ersetzen oder sich zumindest mittels Gateways als darüber liegende Schicht zu etablieren. Da das freie Wave-Protokoll von jedermann genutzt werden kann, werden Applikationen, die zwischen Waves und anderen Medien verbinden, nicht lange auf sich warten lassen. Es existieren beispielsweise bereits vor Release der Public Beta Prototypen von E-Mail- und Twitter-Gateways. Hohe Benutzerzahlen sollten, gerade mit Blick auf diese Gateways, nicht lange auf sich warten lassen. Google hat zudem durch seine Marktkenntnisse sicherlich die Möglichkeit, sein neues Produkt angemessen an seine Stakeholder zu kommunizieren.

Die Frage, ob Nutzer mit der Flexibilität des Mediums umgehen können, wird sich erst nach dem Release von Google Wave beantworten lassen. Bisher kann man Google allerdings nicht vorwerfen, Produkte niedriger Usability entworfen zu haben. Borkhoff u.a. (2000) führen den Erfolg der E-Mail auf deren Strukturlosigkeit und Informalität zurück. Gerade Gruppenarbeit ist eben ein innovativer und flexibler Prozess, dem möglichst keine Grenzen gesetzt werden sollten. Diese Argumente sprechen ebenso für Google Wave.

Ich bin davon überzeugt, dass Google Wave als Innovation starken Einfluss auf die Softwarelandschaft nehmen und neue Anstöße in Sachen CSCW liefern wird. So, wie private Websites in Web2.0-Communities einflossen, kann sich auch für Kommunikation und Kollaboration im Allgemeinen ein gemeinsamer, oberer Layer etablieren.

1Vgl. [Dennis/Valacich/Speier/Morris, 1998], S. 59.

2Vgl. [Schmid/Lyczek, 2009], S. 127.

 

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