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Startseite › Google Wave – Eine Einschätzung der Potenziale des Mediums

Einführung in Google Wave

Pascal — Mi, 23/09/2009 - 15:41

„Google Wave is a new tool for communication and collaboration on the web“1, gibt Google auf der Homepage des Ende 2009 erwarteten Produktes bekannt. Doch was soll Google Wave von bisherigen Kommunikations- und Kollaborations-Tools unterscheiden?

Eine „Wave“ ist zu gleichen Teilen Konversation wie auch Dokument.2 Sie basiert auf einem neu geschaffenen, an XMPP angelehnten Protokoll3, das Echtzeit-Kommunikation in geteilten Umgebungen ermöglicht ohne Inhaltstypen zu limitieren. Alle Inhalte einer Wave können gemeinsam und in Echtzeit mit in die Wave eingeladenen Nutzern bearbeitet werden. Die Reichhaltigkeit dieser Inhalte erstreckt sich von Texten über Bilder bis hin zu interaktiven digitalen Karten und ganzen Applikationen. Eine Wave eignet sich genauso für schnelle Chats, wie für persistente Dokumente. Sie sei vereinfacht als Container einer (Gruppen-) Kommunikation beschrieben.

Google Wave ist als OpenSource Anwendung konzipiert und stellt bereits in der Alpha-Version eine umfangreiche API zur Verfügung. Stakeholder können das Wave-Protokoll selbst implementieren und auf Basis der von Google veröffentlichten Codes auf ihre Bedürfnisse angepasste Wave-Clients und -Server, sowie -Extensions entwerfen. Das Konzept der Wave kann somit als neuer Standard von anderen Unternehmen aufgegriffen werden, wobei das offene Protokoll die Interoperabilität zwischen verschiedenen Wave-Servern sicherstellen soll. Die Flexibilität des neuen Protokolls zeigt sich in einer hohen Erweiterbarkeit, welche sich in den Konzepten der Wave-Gadgets und Wave-Robots manifestiert. Gadgets sind hierbei in sich geschlossene Anwendungen, die in Waves (den Kommunikations-Containern) ablaufen. Hierbei kann es sich etwa um Gesellschaftsspiele oder virtuelle Karten handeln. Ein Gadget kann die Wave, in welcher es sich befindet, nicht manipulieren. Dazu sind jedoch Robots im Stande. Robots werden einer realen Person gleich in Waves eingeladen. Sie erwerben damit, wie ein echter Nutzer auch, Rechte an der Wave. Robots sind somit in der Lage, Waves zu manipulieren. Eine hohe Integrierbarkeit wird über die Embed-API erreicht. Ähnlich eines YouTube-Videos können auch Waves in Websites eingebunden werden. Waves können also auch außerhalb der Mutteranwendung existieren.

Die technische Perspektive zum Aufbau einer Wave ist in der Daft Protocol Spec4 niedergelegt. Eine Wave besteht demnach aus Wavelets, welche aus einer Teilnehmer-Liste und Dokumenten zusammengesetzt ist. Bei Wavelets handelt es sich folglich um das Element, in dem Nutzungsrechte abgelegt werden. Über die Manipulation der Teilnehmer-Liste lässt sich steuern, wer auf die Inhalte eines Wavelets zugreifen kann und wer nicht. So ist auch möglich, innerhalb einer Wave private Beiträge zu verfassen, die nur ein bestimmtes Subset der Benutzer der darüber-liegenden Instanz erreichen. Öffentliche Waves, die von allen an das Wave-Netzwerk angeschlossenen Anwendern genutzt werden können, werden über die Einladung eines speziellen Pseudo-Benutzers erzeugt. Dieser Benutzer repräsentiert die Gruppe aller Wave-User. Besonders an dieser Stelle werden read-only Optionen, welche Schreibrechte an Waves limitieren, interessant. Solcherlei Funktionen sind im Protokoll vorgesehen5, in der Developer-Preview bislang allerdings nicht implementiert. Dokumente, die zweite Sorte Element in Wavelets, werden über XML und Annotationen beschrieben. Repräsentiert ein Dokument eine Rich-Text-Nachricht, so wird es als Blip bezeichnet. Ein Dokument kann außerdem für den Nutzer im Kommunikationsablauf nicht sichtbare Informationen tragen, wie etwa Tags. Die Kommunikation von Veränderungen in der Wave geschieht in Operations. Durchgeführte Operationen werden in der Revisionskontrolle dokumentiert. Eine Wave lässt sich folglich auf bestimmte Stati zurücksetzen, in ihr durchgeführte Änderungen sind jederzeit nachvollziehbar. Die Funktion spiegelt sich in dem Playback-Feature, welche den gesamten Ablauf bis zum aktuellen Zeitpunkt ähnlich einem Video abspielt. Eine Modifikation eines Wavelets wird unter Nutzung der „operational transformation“6 an alle interessierten Server und Clients weitergereicht. Das Protokoll zwingt hierbei dazu, die Verbindung mit TLS zu verschlüsseln. Auch sonst ist bei dem Design von Google Wave der Sicherheit Rechnung getragen. So müssen sich Wave-Server zum Beispiel über Zertifikate ausweisen, kryptografische Methoden, wie Hash-Funktionen, Hash-Trees, Signaturen und Safe Encoding sind angedacht.7

Waves sind, ähnlich wie Wiki-Seiten, untereinander verlinkbar. Weiterhin lässt sich aus jedem Wavelet eine neue Wave erstellen. Nichtlineare Hypertextstruktur, einfacher und weitgehender Zugriff, keine Client-Software, soziale Prozesse im Vordergrund, einfache Nutzung.8 Durch diese Punkte klassifizieren Ebersbach u.a. (2005) bereits Wikis. Jeden dieser Punkte könnte man auch in Bezug auf Google Wave nennen. Google denkt diese Aspekte weiter: Der Web-Client erlaubt das einfache einfügen von Dokumenten, Bildern und anderer Waves in eine Wave per Drag-and-Drop. Der Client stellt bekannte Dateitypen umgehend entsprechend ihrer üblichen Verwendung dar. In die Anwendung gezogene Bilder erscheinen als Thumbnail, das nach einem Klick einen Layer mit dem Originalbild öffnet und eine Gallery mit anderen Bildern in der Wave formen kann. PDF werden hingegen angehängt, in die Diskussion gezogene Waves bilden den passenden Hyperlink. Auch eine Wave-Syntax muss der normale Wave-Nutzer im Gegensatz zu Wiki-Nutzern nicht beherrschen. Der WYSIWYG-Editor erinnert an vertraute Office-Programme oder Google Docs.

Seit Mai 2009 erteilt Google einer Auswahl interessierter Entwickler den Zugriff auf eine frühe Developer-Version einer Wave-Umgebung. Dieses für Google untypische Verhalten legt den Verdacht nahe, dass in Bezug auf Wave ein Fokus auf die Mitarbeit externer Entwickler gesetzt wird. Schließlich werden diese mit ihren Applikationen Waves erweitern, sowie Waves in eigene Anwendungen einbinden. Damit haben sie einen Einfluss auf den Nutzen, die Sichtbarkeit und die Verbreitung von Google Wave und der Idee der Wave im Allgemeinen.

Die Frage danach, ob sich alle (oder viele) der heute im Web genutzten Kommunikationsformen auf eine gut nutzbare Art und Weise vereinen lassen, beantwortet Google unter Ausreizung der heute verfügbaren Web-Technologien.9

Welcher Qualität jene Antwort von Google ist, soll nun im folgenden Kapitel anhand der Media Synchronicity Theory festgestellt werden. Einschätzungen, die sich aus dieser Untersuchung ergeben, werden in Teil vier der Arbeit in einem praktischen Anwendungsbeispiel erneut betrachtet.

1Vgl. [http://wave.google.com/].

2Vgl. [http://wave.google.com/help/wave/about.html].

3Vgl. [http://www.waveprotocol.org/draft-protocol-spec].

4Vgl. [http://www.waveprotocol.org/draft-protocol-spec].

5Vgl. [http://www.waveprotocol.org/whitepapers/access-control].

6Vgl. [http://www.waveprotocol.org/whitepapers/operational-transform].

7Vgl. [Kissner/Laurie, 2009], S. 4f.

8Vgl. [Ebersbach/Glaser/Heigl], S. 13f.

9Vgl. [http://googleblog.blogspot.com/2009/05/went-walkabout-brought-back-google-wave.html].

 

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Nichts ist umsonst...

Gast — Mo, 26/10/2009 - 22:10

Ersteinmal super Text! Aber eine Sache interessiert micht doch, aufbauend auf deinen Satz:

"Dieses für Google untypische Verhalten legt den Verdacht nahe, dass in Bezug auf Wave ein Fokus auf die Mitarbeit externer Entwickler gesetzt wird."

hast du schon eine Idee mit welcher Geschäftsstrategie Google da vorgeht? Klar, die Entwicklungspotenziale des Basars nutzen und die Wave verbreiten, aber Google will ja letztendlich auch Geld verdienen. Bringt Google ähnlich wie MySQL Zusatztools/Apps für zahlende Kunden heraus oder geht das ganze eher in Richtung Consulting-Businessmodel...mir fielen da spontan sicher noch ein paar mehr Wege ein, trotz Open Source Geld zu verdienen. Würde mich interessieren ob du da informationen hast ;)

 

Gruß

Dominique

 

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